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Kirgistan

13.- 18.7.2011: Sary Mogul - Grenze China

Für zwei Tage auf dem Pferd statt auf dem Velo
Für zwei Tage auf dem Pferd statt auf dem Velo

Am Morgen früh fahre ich bei Talimbek und seiner Familie ab, wo ich zwischen dem Tajikischen und Kirgisischen Grenzposten übernachtet habe. Und ja, es geht runter vom Plateau und wie es runter geht, ändert sich die Vegetation: Plötzlich ist es wieder etwas milder, sattgrüne Weiden erstrecken sich unter schneebedeckten Bergen, Jurten mit den Familien bewohnen das weite Grasland und Pferde, Kühe, Schafe und Yaks grasen auf den Weiden. Nach dem Pamirplateau ist es richtig liebich und mild hier. Das Tal ist aber immer noch auf 3'000-3'500m.

 

Auf der etwa 30km langen Fahrt bis Sary Tash sehe ich auf fast jedem Telefonmasten neben der Strasse einen Steinadler! Ich zähle über zehn aus nächster Naehe (ca. 5m). In Sary Tash mache ich ein paar Einkäufe (Noodlesoup und Dosenfisch) und mache mich gleichentags ins 30km entfernte Nachbardorf Sary Mogul auf, um dort einige Fotos bei jemandem abzugeben, welche die beiden Radler Jens und Zuzka gemacht haben, als sie vor etwa zwei Monaten hier vorbei gekommen sind. Ich habe die Biker in Dushanbe getroffen und sie haben die Route in umgekehrter Richtung gemacht. Ich bin nun ihr Postbote...

 

Kurz vor Sary Mogul campe ich in einem verlassenen Stall ohne Dach mit grandioser Sicht auf den 7'000er Pik Lenin. Ein perfekter Zeltplatz! Am nächsten Morgen mache ich mich zu Turdubai und seiner Familie auf, um die Fotos zu überbringen und auf einen Pferdetrek zu gehen. Ja genau, ich tausche für zwei Tage mein Velo gegen ein Pferd ein. Es kommen noch drei andere Touristen dazu und zu fünft machen wir uns auf zum Fuss des Pik Lenins, wo wir in einer Yurte übernachten. Turdubai und ich verstehen uns recht gut, so dass ich ingesamt fast fünf Tage bei ihm verbringe.

 

Nach diesem kurzen Zwischehalt in Kirgistan mach ich mich nach wenigen Tagen auf Richtung China. Bald läuft mein Kirgistanvisum aus und ich freue mich auch auf etwas Wärme und Wüste.

 

Unmittelbar vor der Grenze muss ich noch die letzten Fotos bei einer Familie abgeben. Turdubai riet mir, in diesem Grenzort nicht zu übernachten, da dort zwielichtige Gestalten wohnen und auch Kirgisen möglichst nur durchfahren. Also schaue ich, dass ich etwa 30km vorher bei einer Kirgisensippe neben deren Yurte campe und mach mich früh morgens auf Richtung Nura und Richtung Grenze. Im Dorf finde ich schnell das Haus der Familie, aber es ist niemand da. Die Nachbarin telefoniert kurz und Mann und Frau kommen kurz darauf mit dem Auto. Als ich ihnen die Fotos zeige freuen sie sich und insistieren, dass ich mich hinsetze und Tee, Brot, Yoghurt und Süssigkeiten esse. Der Ehemann verschwindet mit einem grossen Messer, ohne ein Wort zu verlieren und die die Ehefrau gibt mir mit Händen und Füssen zu verstehen, dass er eine Ziege schlachtet und ich heute ihr Gast sei... Dabei wollte ich nur kurz die Fotos abliefern und dann husch über die Grenze. Wenig später kommt er tatsächlich mit einem Kübel voller Fleisch zurück und kocht die Innereien. Es kommen noch Nachbarn und bald essen wir Innereien und Reden miteinander - sie in kirgisisch und ich in schweizerdeutsch. Nach dem Mittag breche ich dann aber doch auf, da ich gehört habe, dass der Grenzübergang nach China nur zu bestimmten Zeiten offen sei und einige Stunden in Anspruch nehmen kann. Und ich will wirklich gerne  heute noch rüber. Zu meinem Erstaunen geht alles recht zügig. Ich brauche mit allen Kontrollen schon etwa 1-2 Stunden aber ich fühle mich in China willkommen.