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Laos

08. - 20.11.2011: Grenze China - Vientiane

Landschaft im Norden von Laos
Landschaft im Norden von Laos

Das Visum kann ich direkt an der Grenze besorgen und das ganze dauert etwa eine Stunde dann bin ich wieder auf dem Velo. Im Norden von Laos geht es zunächst weiter mit Regenwald und ziemlichen Hügeln. Meine erste Nacht campe ich in einer Hütte in einer verwilderten Gummiplantage. Als es am nächsten Morgen nieselt, bleibe ich grad nochmal einen Tag in dem friedlichen Privatcampingplatz, Essen hab ich ja genug und Wasser finde ich auch in der Nähe, das ich filtern kann. Danach geht es rauf und runter durch die grünen Hügel und Wälder von Nordlaos. In jedem Ort, in dem ich durchfahre, rufen mir die Kinder voller Energie und mit den Händen winkend "Sabaidee!" (Hallo) entgegen. Eine Wonne nach fast vier Monaten Chinesen, die einen anschauen, als hätten sie grad einen Alien gesehen. Auch die nächste Nacht kann ich in einsamer Wildnis in einer verlassenen Bambus-Hütte mit Sonnenuntergangsaussicht verbringen, wo ich mein Zelt drin aufstelle (gegen die Moskitos). Das rauf und runter ist nicht zu unterschätzen hier: ich mache oft mehr als 1'000 Höhenmeter pro Tag bei rund 75km.

 

Nach fünf Tagen komme ich in Luang Prabang an, der Stadt mit den meisten Touristen in Laos. Zuerst freue ich mich, nach all den Monaten wiedermal etwas europäische Zivilastion zu haben (Baguette, Kaffee), aber nach einem Tag habe ich auch schon wieder genug und es zieht mich weiter. Luang Prabang ist zwar ein nettes, sehr relaxtes ehemaliges Kolonialstädchen mit eineigen Tempeln und schönen Wasserfällen in der Umgebung aber es hat für mich zu viele Pauschaltouristen hier. Nach all der Zeit unterwegs in abgelegenen Gebieten, alleine oder mit einigen Rucksacktouristen ist mir das hier grad zu viel.

 

Hier treffe ich wieder auf den mächtigen Mekong, dem ich mehrere hundert km folgen werde. Ist schon eindrücklich dieser Fluss und Brücken darüber gibt es so gut wie nicht! Echt, auf der ganzen Länge von Norden nach Sueden - wohl um die 2000km - sind es gerade mal vier Brücken! Sonst gibt es nur Fähren und auch die sind eher dünn gesäht.

 

Von Luang Prabang fahre ich mit Nicolas, einem Belgier, der später nach Vietnam abbiegen will und bereits am ersten Abend treffen wir noch Wolfgang aus Deutschland, der ebenfalls alleine Richtung Vietnam unterwegs ist. Zu dritt können wir unsere Zelte neben einer Schulhütte aufbauen. Natürlich haben wir reichlich Zuschauer, vor allem Kinder. Ein lustiger Abend! Am nächsten Tag geht es weiter bis zur Kreuzung, wo Nicolas ostwärts nach Vietnam abbiegt. Wir übernachten hier in einem billigen Hotel und lernen im nahen Restaurant den stockbetrunkenen Ortspolizisten von Phoukoun kennen. Immer wieder müssen wir mit ihm mit Beer Lao anstossen und ex trinken.

 

Von hier fahren Wolfi und ich zu zweit südwärts nach Vang Vieng weiter durch die Berge. Wir haben beide einen recht ähnlichen Rythmus. Vang Vieng ist ja so eine Art Backpacker Outdoor-Party-Paradies mit Bar, Party, TV-glotzen und Happy Pizzas... Wie im Zoo! Allerdings ist es amüsant all die Traveller in Badehosen und Bikini zu beobachten, fast wie wenn man seltene Vögel beobachten geht. Wir bleiben nur eine Nacht in einem super Guesthouse mit Jakuzzi, gratis Bananen, gratis Kaffee und Internet fuer etwa 4 USD pro Person. Sehr cool!

 

Ab hier werden die Hügel etwas niedriger und auf guter Strasse flitzen wir Richtung Süden. Als bei Sonnenuntergang weit und breit kein Guesthouse oder ein geeigneter Ort zum campen zu finden ist, gehen wir zu einem Tempel und fragen die Mönche, ob wir innerhalb der Mauern dort unsere Zelte aufbauen dürfen. Und wir dürfen. Nach Einbruch der Dunkelheit werden ich von Stimmen vor dem Zelt geweckt und ein Mönch von einem anderen Tempel wurde gerufen, der etwas Englisch kann. D.h. nochmals aufstehen und Geschichten erzählen bzw. Englisch praktizieren. Am nächsten Tag folgt eine sehr verkehrsreiche Stadteinfahrt nach Vientiane, die Hauptstadt von Laos.

 

Vientiane ist zwar die Hauptstadt aber auch die ist recht klein und übersichtlich. Sie hat viel kolonialistischen Charme und einiges weniger an Touristen als Luang Prabang. Hier ist nach 550km die erste Brücke über den Mekong innerhalb von Laos und die verbindet Laos mit Vietnam. Bekanntestes Wahrzeichen ist die goldene Stupa, die an Nepal erinnert.

21.11. - 03.12.2011: Vientiane - Si Phan Don (4'000 Inseln)

Umsteigen ins Fischerboot ...
Umsteigen ins Fischerboot ...

Nach ein paar Einkäufen (Haferflocken, Erdnussbutter und Brot), etwas Sightseeing, gut Essen und Veloservice fahren Wolfi und ich weiter. Wolfi hat sich entschieden, statt durch die Berge nach Vietnam alles dem Mekong entlang zu fahren. So radeln wir schlussendlich auch fast vier Wochen zusammen. Aus Vientiane raus nehmen wir eine Nebenstrasse und bald wird diese zur Piste. Es sieht teilweis aus wie in Australien oder Afrika: rote Sandpiste und Bäume links und rechts. Irgendwann so um die Mittagszeit kommen wir zu einem lautstarken Familienfest gleich neben der Strasse. Wir werden angehalten und eingeladen mitzufeiern. Da wir eh Mittagspause machen wollen, fliessen wir mit dem Strom. Bald haben wir neben Nudeln auch Beer Lao und irgendwann auch Beer Lao gemischt mit Lao Lao (Reis-Whisky) vor uns. Und immer wieder heisst es "Ex!" Und das Mittags um 13 Uhr! Das Fest ist eine Art Taufe für ein Kind. Nach etwa zwei Stunden machen wir uns dann aber wieder auf den Weg. Wir bedanken und verabschieden uns und steigen stockbetrunken auf unsere Fahrräder. Danach fährt es sich wie auf Watte... Etwa 25km später finden wir einen guten Plazt zum Campen in einer Gummiplantage, sogar mit einem eigenen Wasserloch.

 

Danach ist Kilometerfressen auf der geteerten Route 13 angesagt, die von Norden nach Süden führt. Entsprechend machen wir da auch 140km an einem Tag. Als kleinen Abstecher fahren wir zur Kong Lo Höhle. Eine wirklich einmalige Höhle: Ein Fluss, der auf einen Berg zufliesst und kurzerhand durch diesen hindurch fliesst. Die Höle ist mehr als 7km und auf dem ganzen Weg schiffbar. Oft ist sie 50-100m breit und ebenso hoch! Und: Es ist stockdunkel wie im Bauch eines Wahlfischs. Ja, man fühlt sich überhaupt wie der alte Gepetto.

 

Eigentlich ist die Strasse zu der Höhle eine Einbahnstrasse und man muss den gleichen Weg wieder zurück nehmen. Nach ein paar Nachforschungen, finden wir aber heraus, dass es einen Weg auf der anderen Seite geben müsste. So klar kann uns das niemand sagen. Aber vermutlich hat es einen Weg, der etwa 50-60km durch den Dschungel führen sollte bevor er auf eine asphaltierte Strasse treffen sollte. Wir riskieren es und lassen unsere Velos auf den Einbäumen durch die Höhle schiffen. Etwa 45 Minuten Fahrt durch die Dunkelheit. Wir campen im Dorf auf der anderen Seite und am nächsten Tag geht es durch den Dschungel mit Flussüberquerungen und umgestürzten Bäumen, die den Weg versperren. Ganz selten ein Dorf. Am Abend kommen wir an einen Ort, wo die Strasse in einem See verschwindet. Hier campen wir und wollen am nächsten Morgen weiter schauen. Tags darauf erfahren wir, dass dies tatsächlich die Strasse gewesen ist und wir nur mit einem Boot ans andere Ufer kommen. Natürlich ist auch einer der Fischer bereit uns hinüber zu fahren zu einem völlig überrissenen Preis. Wir warten ab. Nach etwa einer Stunde hat sich der Preis gedrittelt und wir laden unsere Velos auf zwei Einbäume und paddeln durch den überfluteten Wald (siehe Bild). Auf der anderen Seite freuen wir uns schon auf die baldige Teerstrasse aber hier beginnt erst die Tortur: Auf einer Dschungelpiste, ausgewaschen von Regen, geht es abartig hoch und runter, so dass wir oft absteigen und stossen bzw. ziehen müssen und das in tropischer Hitze! Oft ist die "Strasse" wie eine anspruchsvolle Trial-Strecke ausgewaschen und voller Steinbrocken. Im Nachhinein war es aber super! Nach 25 oder 30 sehr anstrengenden Kilometern gelangen wir endlich in ein Holzfäller-Dorf und von dort wieder auf eine asphaltierte Strasse und flitzen noch bis Thakek (zweite Brücke über den Mekong in Laos).

 

Von hier folgen wir wieder der Route 13 südwärts und machen wieder so 100-150km pro Tag bis Pakse (vierte und letzte Brücke über den Meokong in Laos) und anschliessend weiter zu den 4'000 Inseln im Mekong (Si Phan Don) ganz im Süden an der Grenze zu Kambodscha. Die 4'000 Inseln sind zu einer Art Backpacker Hub geworden, wo man in einem Bungalow abhängen und einfach ein bisschen nix tun kann. Mir gefällt es hier allerdings nicht besonders ausser, dass ich wiedermal einen Veloservice machen und ein Buch lesen kann. Von hier ist es nur noch einen Steinwurf bis zur Kambodschanischen Grenze.